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Stille in Bildern – ein Gespräch über Meditation und kreative Essenz

  • Autorenbild: Teresa Maier-Zötl
    Teresa Maier-Zötl
  • vor 5 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Der TALK mit: Fotograf Axel Kirchhoff


Cover Talk mit Axel Kirchhoff
Foto: Stéphanie Engeler

Inhaltsverzeichnis:



Wie stellt man Stille in Bildern dar?


Eine Frage die Maurizio und ich uns selbst gestellt haben – im Zuge der Gestaltung unserer Website und Werbemittel. Wie zeigt man etwas das sich im Inneren abspielt? Wie macht man sichtbar was eigentlich unsichtbar ist?

Aufmerksam wurde ich auf Axel Kirchhoff durch seine Arbeit – Porträts von Menschen in meditativen Zuständen die eine bemerkenswerte Ruhe ausstrahlen. Menschen unterschiedlichster Herkunft, verschiedenster Berufe, von Kindern bis zu 80-Jährigen. Und doch: ein roter Faden durch alle Bilder. Eine Stille die ansteckt.

Ich sprach mit dem Fotografen der sich dieser Frage sehr ausgiebig gewidmet – und ein ganzes Buch daraus gemacht hat.



Von der Bühne zum Fotostudio


Axel Kirchhoff hat einen Werdegang der neugierig macht. In München geboren, in den 80ern als Balletttänzer ausgebildet, teils in den USA aufgewachsen – und später Kunstschmied. Seit mehr als zehn Jahren ist er nun selbstständiger Foto- und Videograf in St.Gallen.

Was seinen Weg besonders macht: Er konvertierte in den 80er Jahren zum Islam – durch die Begegnung mit einem deutschen Muslim in einem Tanzworkshop. Für ihn war das wie „nach Hause kommen", wie er sagt.



Die Idee hinter Silent Portraits


Cover Buch Silent Portraits
Foto: Axel Kirchhoff


Die Idee zu dem Buch-Projekt entstand im Lockdown 2020 – aus mehreren Überlegungen gleichzeitig. Er beschrieb das so:

„Wie zeigt sich was Schönes? Das war die eine Überlegung. Und das andere war: Was passiert eigentlich wenn ich in meinem Setup keine Vorgabe mache außer dass derjenige den ich fotografiere bei sich bleibt – und ich ihm die Möglichkeit gebe dazu. Ich gebe ihm die Zeit. Ich gebe ihm den Moment."

Als Fotograf überdachte er das klassische Porträt-Setup – und wollte statt inszenierter Posen einen freieren, authethischen Ansatz ausprobieren. Mit professionellem Licht – aber ohne das Korsett konventioneller Porträtfotografie.

Was mich beim Durchblättern des Buches sofort trifft: Die porträtierten Menschen kommen aus völlig unterschiedlichen Welten. Manche haben eine spirituelle Praxis, andere nicht. Und trotzdem beschreiben fast alle ähnliche Empfindungen. Ob 15-jährige Schülerin oder 80-jähriger spiritueller Mensch –

„Trotz der Unterschiedlichkeit war in diesem Moment für jeden eine Form von Frieden, eine Form von Ruhe, Stille, Kraftanken – und alle haben das mit sehr ähnlichen Worten beschrieben."

Meditation als Rückkehr zur Essenz


In einem Interview sagte Axel einmal, er erlebe Meditation selbst als „Rückkehr oder Erinnerung – oft auch als ein Entdecken oder Wiederentdecken." Ich bat ihn das näher auszuführen.

„Meditation bedeutet für mich dass ich alles wegnehme was sich – sagen wir mal – der Intuition in den Weg stellt. Die ursprüngliche Essenz ist eh schon da die ganze Zeit. Und es ist nicht nur bei mir da – sondern bei jedem. Ich nehme alles weg was ich sonst über mich denke. Alle Rollenbilder. Alle Definitionen. Und dann ist es wie: Das bin ich. Ich wusste das die ganze Zeit."

Einfach. Und genau deshalb schwierig – weil wir so gewohnt sind an all unsere Schichten. An die Definitionen die wir uns selbst geben. Oder die von außen kommen.

Schwierig in Worte zu fassen. Das erklärt auch warum Axel ein ganzes Fotobuch darüber gemacht hat – anstatt eines Textes.

Nonverbale Kommunikation spielt dabei für Axel eine wichtige Rolle:

„Ich meditiere mit irgendjemand und es fühlt sich angenehm an. Es wird vielleicht gar nicht so viel geredet – und es fühlt sich trotzdem gut an. Dieser nonverbale Bereich ist ein ganz großer und wichtiger Teil von uns.

Auch beim Thema Meditationstypen sind wir beide uns einig: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Axel selbst kommt vom Körper – vom Tanz:

„Ich bin total der Bewegungsmensch. Es gibt diesen körperlichen Ansatz – den liebe ich. Ich habe da einen sehr guten Zugang. Und dann gibt es den inneren Zugang, den stillen Zugang – den würde ich als Hören beschreiben. Hören nach innen. Es gibt so viele Möglichkeiten."

Gesprächsfoto von Axel Kirchhoff und Teresa Maier-Zötl


Kreativität als Charaktereigenschaft


Gitarre spielen, in den Wald gehen, schwimmen – das sind Axels Wege um Energie und Kreativität zu finden. Und dann kam er auf einen Gedanken der mich sofort angesprochen hat:

„Kreativität – oder irgendwas erfinden, eine Idee haben – ist eigentlich ein Geschenk. Und wir sind in so einer komischen Zeit wo wir damit produktiv sein müssen. Das muss jetzt dies und das werden. Das ist super schwierig."

Sein Gegenmittel? Ein Ansatz den er von einem Regisseur übernommen hat. Er hat jede Arbeit so gemacht, als hätte er keine Ahnung wie es geht. Als wäre es das erste Mal. Genau dass ist auch seine Methode: Alles vergessen an alten Erfahrungen oder Wissen.

Auch bei Auftragsarbeiten versucht er diesen Moment zu schaffen wo etwas aufkommen darf. Und er versucht eine gute Portion Reflektiertheit gegenüber der Kreativität. Denn es sind immer viele Ideen in der Luft. Er stellt sich dann die Frage "Ist das wirklich etwas das von mir verwirklicht werden will oder soll?".


Auf die Frage nach den größten Herausforderungen im Leben als kreativer Kopf sagt er:

„Kreativität ist eine charakterliche Eigenschaft. Die formt sich. Jetzt gibt es diesen Tätigkeitsbereich – da wird von mir verlangt dass ich so und so bin. Ich lerne das. Nächster Tätigkeitsbereich. So wird mein Charakter immer ausgebildet und geformt. Das Wichtigste ist sich diesen Zyklen hinzugeben – und das große Bild im Auge zu behalten."

Das erklärt vielleicht auch seinen Werdegang: Tänzer, Kunstschmied, Fotograf, Videograf. Das alles sieht er als keine Umwege, er sieht es als Entwicklung.


Und er arbeitet bereits an etwas Neuem – einer weiteren Porträtserie. Mehr möchte er noch nicht verraten. Das Projekt muss erst innerlich Klarheit finden. Ein Ansatz der gut zu ihm passt.


Was mich an diesem Gespräch besonders bewegt:

Trotz aller Unterschiede der porträtierten Menschen – Herkunft, Alter, Beruf, spirituelle Praxis oder nicht – zieht sich ein roter Faden durch alle Beschreibungen. Frieden. Ruhe. Ankommen.

Vielleicht ist das die ehrlichste Antwort auf die Frage mit der wir begonnen haben: Wie stellt man Stille in Bildern dar? Indem man Menschen zeigt die sie wirklich fühlen.


Innenseite Buch "Silent Portraits" von Axel Kirchhoff
Fotos: Axel Kirchhoff

Unsererseits eine grosse Buch- Empfehlung! Besonders die Beschreibungen der Portraitierten in Kombination mit den wissenschaftlichen Texte runden diese Projekt schön ab!


Silent Portraits (2025)


Eine Innerlichkeit beschreiben die sich den Worten entzieht.

Das Wesentliche ist sichtbar, man muss nur genau hinsehen.

Dieses Buch ist der inneren Begegnung gewidmet.


Axel sagt selbst: "Es ist der Versuch eine Ursprünglichkeit und Authentizität sichtbar zu machen. Es ist der Wunsch die Einzigartigkeit jedes Menschen zu würdigen.

Ich bin allen Praktizierenden, die sich auf die Begegnung damit eingelassen haben sehr dankbar. Ebenfalls bin ich Oliver Seltmann sehr zu tiefem Dank verpflichtet, der ohne zu zögern an das Projekt geglaubt hat."


Buchdetails

Hardcover-Buch mit ca. 320 Seiten

66 Praktizierende, 122 ganzseitige Portraits, 66 persönliche Zitate

Beitrag zur Wirkung geistiger Praxis, Neurowissenschaftler, Dr. Ulrich Ott, BION, Giessen (D)

Konzept u. Fotografie: Axel Kirchhoff, St. Gallen (CH)

Layout/Design: Roland Stieger, TGG

Übersetzung: Hana Horack

Verlag: Seltmann Publishers, Berlin (D)

Druck: Niedermann Druck AG, St. Gallen

Lektorat: Sonja Knecht

ISBN 978-3-949070-66-2

Auflage 1000 Stk., Preis 55,- Sfr zzgl. Porto





Interview zum Anhören



Und das Transkript zum nachlesen:




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