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Der TALK mit: Malerin Johanne Bossmann

  • Autorenbild: Teresa Maier-Zötl
    Teresa Maier-Zötl
  • 31. März
  • 4 Min. Lesezeit

Foto: Johanne Bossmann
Foto: Johanne Bossmann

Inhaltsverzeichnis:

Aufmerksam wurde ich auf diese spannende Künstlerin mit blondem Lockenkopf über ein Video auf Instagram. Farben fliessen wässrig ineinander, es entstehen Formen und unerwartete Farbverläufe. Hypnotisch anzusehen.

Johanne Bossmann malt mit viel Wasser auf Leinwand und nennt ihre Kunst „Meditative Art".

Wir sprachen über die Herausforderungen des Kreativseins, dem Umgang mit Perfektionismus, der Wirkung ihrer Malvideos auf Zuseher und der Kraft der Kunsttherapie.


Vom Brautmodendesign zur Malerei


Sie hat einen spannenden Werdegang hinter sich. Von der Brautmodendesignerin oder Label Kreateurin hin zur vollberuflichen Malerin. Wie so oft sind es ja Krisen, die einen dann den Weg weisen.

Trotz den Bemühungen ihre Brautmode möglichst nachhaltig zu gestalten - also auch zum Beispiel färbbar zu machen um es öfter tragen zu können - hat sie zunehmend "den Sinn darin verloren". Hinzu kamen Probleme mit Buchhaltung und Steuerberater, die in einer Insolvenz endeten. Trotz erfolgreichen Verkaufs des Unternehmens und weiterer angestellten Tätigkeit für das Label bezeichnet sie diese Zeit als "größte Krise meines Lebens".


Trotz der eher negativen Erfahrungen durch ihren Vater als unzufriedenen freischaffenden Künstler und dem Glaubenssatz "mit dem Malen kann man kein Geld verdienen, das ist kein Beruf." kam sie zu ihrer frühen Mal - Leidenschaft zurück. Wohl auch durch die Erfahrung wie heilsam Kunst sein kann.



Verschüttete Gefühle


"Auch an Tagen, wo es mir richtig schlecht ging, konnte ich dann da einfach eintauchen und das hat mich so beruhigt und mich so über den Tag gerettet."

Durch eine Kunsttherapeutin konnte sie verschüttete Gefühle auf sanfte Weise ausdrücken und Ihre Begeisterung für diese Form der Therapie war auch als beruflich neuer Weg geweckt. Sie begann mit dem Kunsttherapie - Studium.



Bewusst machen - der Schlüssel gegen Blockaden


Wie viele Kreative beschäftigt sie auch das Thema des Perfektionismus.

Oft ist es ja nicht nur der Druck von aussen, sondern sehr oft auch die Ansprüche, die man sich selber stellt in seiner Arbeit. Dies habe ich auch im Interview mit der Roberta Bergmann besprochen.

In einem konkreten Beispiel war es ein Bild für einen Freund, der Johanne gar keine Vorgaben gab ausser die Masse des Bildes. "Also eigentlich perfekt. (...) Und dann habe ich irgendwann mal angefangen und es stand aber immer wieder. Also ich habe es immer wieder weggestellt und gar nicht weiter dran gearbeitet."

Aber in dem Moment, wo sie verstanden hast, dass sie gehemmt ist, weil sie möchte dass es besonders wunderschön wird, konnte sie loslassen, wieder Freude finden und es fertig stellen.


Auch bei ihrer grössten Herausforderung "wirklich alles unter einen Hut zu bekommen", ist ihr Bewusstsein & Achtsamkeit eine grosse Hilfe.

"Es ist einfach auch viel Marketing. Oder auch die Bilder zu fotografieren, die Texte zu schreiben, die Bilder online zu stellen, das ist unglaublich zeitaufwendig. (...) Meistens schaffe ich das spielerisch und manchmal kriege ich dann aber auch die Krise. Und dann ist es aber auch wieder interessant zu gucken: Woher kommt das jetzt? Was macht mich gerade so verrückt?" Daher versucht sie immer wieder bewusst in sich hineinzufühlen.


Auszeiten sieht sie als essenziell an, findet es aber auch schwierig sich diese zu nehmen da ihr Malen soviel Spass macht.


"Das Malen ist ja jetzt nicht mehr nur mein Hobby, sondern auch mein Beruf. (...) Am liebsten würde ich die ganze Zeit malen, aber ich merke schon, dass es dann auch erschöpfend ist. (...)

Kleine Schritte


Rückblickend auf ihre Geschichte und zu ihren eigenen Erfahrungen, ist der Haupt - Tipp, den sie Kreativen geben kann, "dass man die Ziele nicht zu groß steckt, sondern sich kleine Etappen aussucht." Eines ihrer ersten Bilder hängt im Schlafzimmer, als Erinnerung an den Moment wo sie dachte "Wow, da hat sich so eine neue Welt eröffnet und da gibt es noch 1000 Dinge zu entdecken. Von hier aus gehe ich weiter."

Aber immer probieren und schauen wie sich die Dinge entwickeln und "nie so verbissen an einem Ziel festhalten."



Passend zum Zeitgeist


Eine ihrer Kunden meinte "mit ihrem aktuellen Alltag und mit dem Geschehen in der Welt kommt sie immer wieder zurück zu meinen Bildern und hat das Gefühl, sie braucht einfach was, was Ruhe ausstrahlt und besinnlicher ist und nicht noch mehr Chaos bringt."

"Also ich glaube schon, dass ich oder meine Arbeit oder die Art zu malen und auch die Sprache der Bilder gerade den Zeitgeist sehr gut trifft."

Ihre Malvideos bekommen viel Zuspruch. Betrachter kommen immer wieder auf ihr Profil um einfach die Videos zu gucken und dabei zu entspannen. Ich kann das nachvollziehen.



Verlorenes händisches Arbeiten


Dass das Tun mit den Händen verloren gegangen ist beschreibt sie als "wirklich ein großes Problem in unserer Gesellschaft".


"Wenn man sich so das Leben vor 150 Jahren oder 200 Jahren vorstellt, wie die Menschen einfach den ganzen Tag wahrscheinlich auf dem Feld waren oder in ihrer Werkstatt Sachen mit den Händen und mit ihrem Körper geschaffen und abends vorm Feuer saßen und Sachen geflickt, repariert oder geschnitzt haben. Das ist ja ganz was anderes. Doch heute sitzen wir den ganzen Tag in der Regel vorm Bildschirm und abends auch noch vom Bildschirm. Und sind ja auch sehr einsam dadurch, weil man sich gar nicht mehr anguckt, sondern nur noch in den Bildschirm guckt."






Direkter wird händisches Arbeiten nochmal wenn man wie sie viel ohne Pinsel arbeitet.


"wenn man wirklich mit den Händen die Leinwand und die Farbe berührt. Es ist einfach so ein ganz sinnlicher Moment, (...) und das einfach noch mal ganz andere Ebenen in der Seele oder im Körper berührt, dass man da noch mal auch an ganz andere Themen drankommt."

In einer Psychotherapie hingegen - führt sie weiter aus - sitzt man ja und denkt nur mit dem Kopf und fühlt nicht mit dem Körper. Mit den Händen kreativ sein macht Dinge wortwörtlich greifbar.

Aus diesem Grund gibt sie ihre Technik und Materialtipps auch gerne in Online Kursen auf der Plattform Patreon weiter. Juckt es Dich wie mich schon in den Fingern ?





Hier der komplette Dialog zum ansehen und oder anhören!



 
 
 

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